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11

Sep

2009

Die SBB verzeichnet trotz schwieriger Konjunkturlage ein erfreuliches erstes Halbjahr

Die SBB steigerte das Konzernergebnis im ersten Halbjahr 2009 gegenüber der Vorjahresperiode dank Sondereffekten um 26,8% auf CHF 132,8 Mio. Die in allen Bereichen ergriffenen Massnahmen gegen die Wirtschaftskrise zeigen Wirkung. So konnte auch der konjunkturell bedingte Einbruch der Transportnachfrage im Güterverkehr finanziell teilweise aufgefangen werden. Im Personenverkehr hält das Wachstum an, erneut entschieden sich mehr Reisende für den Zug. Parallel dazu stellt die SBB bei ihren Kunden ein verstärktes Kostenbewusstsein fest. 88,2% der Kunden (2008: 86,2%) erreichten ihr Ziel im ersten Halbjahr 2009 mit weniger als drei Minuten Verspätung. Angesichts grosser Investitionen etwa in neues Rollmaterial und in die Substanz der Infrastruktur sowie in Anbetracht des Arbeitgeberbeitrags zur Sanierung der Pensionskasse, ist die SBB auf zusätzliche finanzielle Mittel angewiesen.

Die SBB weist für das erste Halbjahr 2009 trotz des schwierigen wirtschaftlichen Umfeldes ein gutes Ergebnis aus. Mit verschiedenen Massnahmen wie einem differenzierten Einstellungs- und Ausgabenstopp konnten die Folgen der Wirtschaftskrise gelindert werden. Das Konzernergebnis verbesserte sich im Periodenvergleich von CHF 104,7 Mio. auf CHF 132,8 Mio. (+26,8%), hauptsächlich wegen einmaliger Sondereffekte: Nach Abzug aufgelöster, nicht mehr benötigter Wertberichtigungen und Rückstellungen von rund CHF 27 Mio. bewegt sich das Ergebnis auf Vorjahresniveau. Der Betriebsaufwand konnte erheblich gesenkt werden (- 201,2 Mio). Positiv wirkten sich zudem die gesteigerten Segmentergebnisse im Personenverkehr und bei den Immobilien aus. Hingegen prägte der wirtschaftlich bedingte Nachfragerückgang das Resultat von SBB Cargo. Das negative Ergebnis der Infrastruktur ist auf gesunkene Trassenerträge und einen erhöhten Mittelbedarf für den Unterhalt zurück zu führen. Nur dank laufender Investitionen in den Erhalt des Netzes lässt sich das aktuelle Qualitätsniveau halten.

Die SBB musste bislang wegen der Wirtschaftskrise keine Stellen abbauen. Der durchschnittliche Personalbestand inklusive Tochtergesellschaften nahm im Periodenvergleich um 215 auf 27 910 Vollzeitstellen zu. Neue Stellen schuf die SBB dabei wegen des Mehrangebots hauptsächlich beim Zug- und Lokpersonal sowie bei der Bahnpolizei. Um die Sozialpartnerschaft zu stärken, unterzeichnete die SBB mit den Gewerkschaften ein Abkommen, das die Information und Konsultation der Verbände bei wesentlichen Reorganisationen regelt. Dank verbindlicher Regeln und des frühzeitigen Einbezugs der Sozialpartner sollen Auseinandersetzungen künftig vermieden werden.

Anhaltendes Wachstum im Personenverkehr, Gegenwind im Güterverkehr
Der Personenverkehr vermochte die Leistungen in der Berichtsperiode abermals zu steigern, doch der durchschnittliche Ertrag pro Zugkilometer ist rückläufig. Die Zahl der Reisenden nahm um 4,3% auf 164,4 Mio. zu. Per Ende Juni 2009 nutzten 382 655 Kunden das Generalabonnement (GA), was einer Zunahme um 8,7% entspricht. Die Zahl der Kunden mit einem Halbtax-Abonnement stieg auf 2 237 010 (+3,6%). Beim Normaltarif stellt die SBB einen Umsteigeeffekt hin zu Pauschalfahrausweisen fest. Zudem brachte der Pilotversuch mit günstigen Sparbilletten erste interessante Erfahrungen und Erkenntnisse: Seit dem Start Mitte Mai verkaufte die SBB rund 60 000 Sparbillette. Etwa die Hälfte der Sparbillett-Kunden passte den Reisezeitpunkt dank des günstigen Preises an. Auf touristischen Strecken konnten Neukunden gewonnen werden. Im Oktober startet nun eine zweite Sparbillett-Welle. Die ebenfalls im ersten Halbjahr eingeleiteten Anstrengungen im Bereich Qualität und Service, beispielsweise mit der Taskforce Romandie, wirkten sich positiv auf die Kundenzufriedenheit aus. Insbesondere bewerteten die Kunden die Pünktlichkeit und die Kundeninformation besser.

Im Gegensatz zum Personenverkehr bekommt die Gütersparte den harten Gegenwind der Wirtschaftskrise massiv zu spüren. Wie alle Güterbahnen Europas, verzeichnete auch SBB Cargo einen Einbruch des Transportvolumens. Dank früh eingeleiteter effektiver Massnahmen konnten die Auswirkungen der Krise in Grenzen gehalten werden, insbesondere auch im Vergleich zu den Mitbewerbern. Zudem hat die Auflösung nicht mehr benötigter Rückstellungen in der Höhe von CHF 16 Mio. das Cargo-Ergebnis zusätzlich verbessert. SBB Cargo hat ihre Transportkapazitäten im Transit- und Binnenverkehr rasch an die gesunkene Nachfrage angepasst. Insgesamt sanken die Verkehrserträge von SBB Cargo um 16,2% auf CHF 435 Mio. Besonders bei den Stahl- und Metalltransporten, aber auch in den Branchen Holz/Papier und Chemie schrumpfte die Nachfrage deutlich. Der Rückgang im Transitverkehr betrug 23%, während er sich im Binnenverkehr auf ein Minus von 5% belief.

Höherer Mittelbedarf bei SBB Infrastruktur, Immobilien auf Erfolgskurs
Mit 79,8 Mio. Trassenkilometern legten die Züge auf dem SBB-Netz 1,1% mehr Kilometer zurück als in der Vorjahresperiode. Die Kundenpünktlichkeit konnte spürbar verbessert werden: 88,2% der Kunden erreichten ihr Ziel mit weniger als drei Minuten Verspätung (Vorjahr: 86,2%). Der positive Trend ist auf ein Bündel von Massnahmen gegen Betriebsstörungen, für Verbesserungen beim Rollmaterial, Fahrplanoptimierungen und angepasste Arbeitsabläufe zurückzuführen. Trotz erfreulicher Gesamtentwicklung kam es in einzelnen Gegenden im ersten Halbjahr zu einer Häufung von Störungen, beispielsweise im Tessin, im Ergolztal oder zwischen Genf und Lausanne. Und die Betriebsstörungen der letzten Wochen haben gezeigt, wie sensibel das Gesamtsystem Bahn mit zunehmender Belastung reagiert. Die Infrastrukturanlagen sind insgesamt in gutem Zustand, doch der Mittelbedarf ist angesichts der höheren Belastung des Schienennetzes deutlich angestiegen, was sich in einem Nachholbedarf bei der Substanzerhaltung äussert. Dies verdeutlichen erste Erkenntnisse aus einem noch laufenden externen Netzaudit, der Anfang 2009 in Auftrag gegeben wurde. Bis zum Jahresende liegen die genauen Resultate vor. Ein konzentrierter, nach Beanspruchung und Bedeutung differenzierter präventiver Unterhalt ist zwingend notwendig. Davon profitieren auch die Bahnkunden, da sich die Zahl der Störungen und Verspätungen weiter reduzieren lässt.

Mit der Attraktivitätssteigerung der Bahnhöfe ist SBB Immobilien gut unterwegs. Trotz laufender Umbauten und negativer Konjunktur konnten die Geschäfte in den 31 grössten Bahnhöfen (RailCity und «Mehr Bahnhof») den Umsatz um 1,3% auf CHF 718 Mio. steigern. Mit dem Spatenstich für die Pädagogische Hochschule Zürich im neuen Stadtteil Europaallee, der Grundsteinlegung für den Südpark Basel und den laufenden Bauarbeiten bei den Projekten Stellwerk Winterthur und TransEurope Neuchâtel entwickeln sich die zentrumsnahen Areale im Umfeld grosser Bahnhöfe weiter zu modernen und attraktiven Bahnhofquartieren.

Gewaltige finanzielle Herausforderungen in den kommenden Jahren
In den nächsten Jahren sieht sich die SBB mit grossen Investitionen konfrontiert. Nebst der Beschaffung von neuem Rollmaterial im Umfang von rund CHF 20 Mia bis 2030 steht die Sanierung der Pensionskasse im Vordergrund. Diese fordert Mitarbeitende und SBB ausserordentlich. Der Arbeitgeberanteil belastet die SBB während 10 Jahren mit knapp CHF 100 Mio. jährlich und danach 15 weitere Jahre mit rund CHF 25 Mio. In Anbetracht dieser bevorstehenden Investitionen und des kontinuierlichen Angebotsausbaus muss die SBB künftig mehr Einnahmen generieren können, wobei sie auf eine Tariferhöhung vor Dezember 2010 verzichtet. Die letzte Preiserhöhung fand im Jahr 2007 statt. Auch die Substanzerhaltung des immer intensiver genutzten Netzes bedarf zusätzlicher finanzieller Mittel, um die Verfügbarkeit der Anlagen trotz des steten Mehrverkehrs in Zukunft auf hohem Niveau gewährleisten zu können.

Die Halbjahreszahlen im Detail
090910_halbjahresresultat_zahlen.pdf
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