Die SBB will künftig das gesamte Rollmaterial mit Klimaanlagen aufrüsten

Hitzetage sind für viele Zugpassagiere eine Qual: Nur die Hälfte aller Wagen sind in der Schweiz klimatisiert. Künftig will die SBB das gesamte Rollmaterial mit Klimaanlagen aufrüsten.

Das Thermometer zeigt 28 Grad, kein Wind ist zu spüren. An diesem Mittag kleben die Passagiere des Intercitys von Zürich nach Basel an ihren Sitzen und fächeln sich mit Pendlerzeitungen Luft zu. Wenigstens lassen sich die Fenster der rund 40-jährigen sogenannten Einheitswagen II öffnen, was ein wenig Abkühlung bringt. Kurz nach Othmarsingen steht der Zug jedoch vor einem Signal still – auf offenem Feld. Zwei Minuten. Fünf Minuten. Sieben Minuten. Der Einheitswagen wird zum Einheizwagen. Von Minute zu Minute wird die Hitze unerträglicher, der Schweiss läuft in Strömen.

Tausenden Passagieren dürfte es während der letzten Hitzewelle ähnlich gegangen sein, denn nur etwas mehr als die Hälfte der insgesamt 4000 SBB-Wagen sind klimatisiert. «Im regulären Fernverkehr fahren eigentlich nur klimatisierte Züge», sagt Sprecher Reto Kormann. Während Spitzenzeiten, wenn eine grosse Nachfrage besteht, setzt die SBB jedoch auch ältere Reservewagen ohne Klimaanlage ein – beispielsweise während der Schulreisesaison oder bei Konzerten.

«Da haben wir Nachholbedarf»

Im Regionalverkehr gehören unklimatisierte Züge nach wie vor zum Alltag: Von den insgesamt 1200 Wagen haben nur 600 eine Klimaanlage. «Da haben wir Nachholbedarf», sagt Kormann. Er rechnet damit, dass mittelfristig auch auf den Kurzstrecken nur noch klimatisierte Züge fahren werden. Allerdings ist die SBB von der Finanzkraft der Kantone, die die Angebote im Regionalverkehr bestellen, abhängig: Für klimatisierte Züge müssen sie mehr bezahlen.

Ob alle Passagiere mit den klimatisierten Zügen zufrieden sein werden, bleibt zudem offen. Da die S-Bahnen und Regionalzüge mehr Türen als Fernzüge haben und öfters halten, ist es schwierig, die Klimatisierung aufrechtzuerhalten. Und auch bei den Fernzügen bleibt die Klimatisierung eine Knacknuss: «Das Temperaturempfinden der Kunden ist unterschiedlich: Wenns für den einen stimmt, zieht sich ein anderer bereits seine Jacke über.» Zum Glück herrscht in der Schweiz – ausser an ein paar Tagen im Jahr – ein moderates Klima.

Kommentar schreiben

Kommentare: 1
  • #1

    Martin (Sonntag, 16 August 2009 23:27)

    Hallo,

    Zugfahren dass ist für mich die Erinnerung an den Duft gschnittener Heuwiesen der sich im Vorbeifahren in den Waggons ausbreitet und an den Fahrtwind, der am Ende der Schulreise kühlend übers Gesicht streift. Leider lässt sich dies in den klimatisierten Waggons deren Fenster nicht geöffnet werden können heute nicht mehr erleben.
    Es erstaunt mich zu lesen, dass eine Hälfte der Waggons ohne Klimaanlage unterwegs sind, irgendwie scheine ich immer Waggons aus der falschen Hälfte zu erwischen.
    Vor einigen Jahren habe ich die Konsequenz aus dieser "Modernisierung" gezogen und mir ein Auto zugelegt. Früher begeisterter Bahnfahrer (lange Jahre mit GA) benutze ich den Zug heute nur noch ausnahmsweise, wenn ich damit eine massive Zeitersparniss erziele.

    Eigentlich schade, vor allem wenn ich hier lese, dass der Einbau von Klimaanlagen ein Kostenfaktor ist. Aus dem persönlichen Umfeld weiss ich, dass ich nicht der einzige bin, der im Sommer ein geöffnetes Fenster einer Klimaanlage vorzieht. Liessen sich nicht Kosten sparen und die Kundenzufriedenheit erhöhen, wenn jede Zugkomposition einige nichtklimatisierte Waggons mit Fenstern zum öffnen mitführen würde?