Fliegerbombenalarm am Salzburger Hauptbahnhof

In Salzburg soll am Sonntag Kriegsrelikt entschärft werden - Der Rechtsstreit um die Kosten von Bombenbergungen schwelt indes weiter.

Bei Arbeiten zum Umbau des Salzburger Hauptbahnhofes ist ein bisher nicht bekannter Fliegerbombenverdachtspunkt gefunden worden. Im Bereich des Bahndammes beim sogenannten Plainstraßenviadukt im Andräviertel ist in mehr als vier Metern Tiefe ein noch nicht identifizierter Metallteil in der Größe eines Bombenblindgängers gefunden worden.

Heute Samstag soll die Stelle von einer Spezialfirma freigelegt werden. Handelt es sich tatsächlich um ein explosives Kriegsrelikt, muss die Bombe vom Entminungsdienst entschärft werden. Dann würden am Sonntag umfangreiche Evakuierungsmaßnahmen angeordnet. Wie Polizei, ÖBB und Stadt Salzburg den Anrainern in einem Informationsschreiben mitteilen, werden am Sonntag Straßensperren und eine "vorübergehende Evakuierung" aller Gebäude im Umkreis von 200 Meter notwendig. Informationen gibt es unter der Hotline 05 91 33-2411.

Die Wahrscheinlichkeit, dass es sich bei dem Objekt um eine Bombe mit einem der gefürchteten Langzeitzünder handelt, wird von der ÖBB als gering angegeben. Ein derartiger Zünder hatte im Juli 2003 zwei Beamten des Entminungsdienstes das Leben gekostet. Der chemische Zünder war beim Versuch, die Bombe aus dem Bergeschacht zu heben, aktiviert worden, die 250-Kilo-Bombe detonierte.

 

Die ÖBB kennen am Gelände des Salzburger Hauptbahnhofes 22 Bombenverdachtspunkte, wovon bereits 16 sondiert worden sind. Im nächsten Jahr werden zwei Punkte beim Gleisbereich untersucht und vier Verdachtsstellen im Bahnsteigbereich freigelegt. Insgesamt dürften allein in der Landeshauptstadt Salzburg noch etwa 120 Blindgänger im Boden liegen.

Teure Bergungen

Noch immer ungeklärt ist, wer für die Bergung der Reste der Bombardements durch die Luftstreitkräfte der Alliierten eigentlich zahlen muss. Der Musterprozess, den die Stadt gegen den Bund führt, dauert bereits knapp zehn Jahre. Insgesamt hat Salzburg rund 900.000 Euro für die Bergung von Blindgängern auf öffentlichem Grund ausgegeben.

 

Nach derzeitiger Rechtslage müssen jene, auf deren Grund und Boden ein Blindgänger gefunden wird, für das Suchen, Finden und Freilegen der Bombe zahlen. Beim aktuellen Verdachtsfall also die ÖBB. Es kann aber auch Private sehr hart treffen: Im Fall einer - inzwischen pensionierten - Salzburger Supermarktkassierin waren das vor rund drei Jahren immerhin 100.000 Euro. Das Innenministerium übernimmt bis dato ausschließlich die Kosten für Entschärfung und Bergung.

 

Derzeit liegt die Causa beim Verfassungsgerichtshof. Nachdem das Erstgericht im Sinn der Stadt Salzburg entschieden hatte, argumentierte das Oberlandesgericht Linz im Sinn des Bundes. Ein Vergleich zwischen Stadt Salzburg und Bund - etwa in Form einer Kostenteilung - ist weit und breit nicht in Sicht. Für den Bund geht es österreichweit gesehen nämlich um Millionenbeträge. Insgesamt wird die Zahl der Bombenblindgänger in Österreich auf noch immerhin rund 15.000 geschätzt.

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