Do

09

Jul

2009

Neues Zugkontrollsystem der SBB ist jetzt in Betrieb

Das 50 Millionen Franken teure Zugkontrollsystem der SBB ist jetzt in Betrieb. Neu können alle Passagiere der Zürcher S-Bahn von der Betriebsleitzentrale an der Langstrasse aus informiert werden.

Fabienne Arnold sitzt am Montagmorgen vor acht grossen Bildschirmen und betrachtet ein Gewirr von roten, orangen und blauen Linien. Um 10.50 Uhr gibts Arbeit. Ihr Kollege, der die Sektion Linth überwacht, hat ein Problem festgestellt. Der Glarner Sprinter ab Niederurnen hat vor Ziegelbrücke 13 Minuten Verspätung. Grund: Stellwerkstörung in Niederurnen und Probleme mit einer Barriere in Näfels. In Ziegelbrücke kreuzen sich auf dem Bildschirm die Linie des Glarner Sprinters mit der Linie der abfahrbereiten S 2 nach Zürich. Der Disponent entschliesst sich, die S 2 vier Minuten zurückzuhalten. Das System hat ausgerechnet, dass die S 2 ihre Verspätung bis Wädenswil wieder einholen kann.

Sympathische Stimme mit schlechten Nachrichten
Fabienne Arnold tippt mit dem Finger auf die Zugnummer der S 2 und das grüne Telefon-Logo. Mit geübter Stimme und ohne sich Notizen gemacht zu haben, spricht sie ins Mikrofon: «Informationen der SBB: Die Abfahrt Ihrer S 2 verzögert sich um ca. fünf Minuten, Grund dafür ist ein vorausfahrender Schnellzug.» In der S 2 in Ziegelbrücke haben alle Passagiere die Mitteilung der sympathischen Stimme gehört.

Dieser Einsatz von Sprecherin Fabienne Arnold war ein Kinderspiel verglichen mit letzter Woche. In Schwerzenbach ereignete sich am Montag eine Fahrleitungsstörung und am HB am Mittwoch eine Stellwerkstörung. An beiden Tagen musste sie während sechs Stunden alle acht Minuten die Passagiere der betroffenen S-Bahnen im halben Kanton informieren. Diese Informationsmöglichkeit – auf einen Knopfdruck alle S-Bahnen zu erreichen – ist neu. Bisher konnten bloss die Lokführer informiert werden, und diese informierten die Passagiere je nach Talent, Laune und Stress.

Von der Langstrasse ins ganze S-Bahn-Gebiet
Die nächste Neuerung steht an: Ab November kann Fabienne Arnold vom gleichen Mikrofon an der Langstrasse aus die Lautsprecher aller Bahnhöfe im Zürcher S-Bahn-Gebiet erreichen. Diese Neuerungen sind zwei ganz kleine – aber für die Öffentlichkeit sehr wertvolle – Möglichkeiten, die das neue Rail Control System (RCS) mit sich bringt.

In dreieinhalb Jahren haben Software-Ingenieure für 50 Millionen Franken das neue Betriebsleitsystem RCS geschaffen. Von den Betriebsleitzentralen Lausanne, Luzern, Zürich, St. Gallen, Bellinzona und Spiez (BLS) aus können jeden Tag 7000 Personen- und 2000 Güterzüge gesteuert werden. Jedes Mal, wenn ein Zug eines der 9000 Signale in der ganzen Schweiz passiert, wird ein Signal ans System gesendet. Am Bildschirm sehen die Disponenten bei jedem Zug, ob er genau nach Fahrplan unterwegs ist oder einem verspäteten Zug in die Quere kommt.

Probleme im Voraus erkennen
Weil auch die maximale Geschwindigkeit des Zuges, die Streckendaten, die anderen Züge auf der Strecke und die Anschlüsse programmiert sind, bemerkt das System Probleme weit im Voraus. Wenn zum Beispiel im Winter die Züge der Rhätischen Bahn in Chur verspätet sind, können die Anschlüsse in Zürich zwei Stunden im Voraus geplant werden. «Mit dem RCS sind wir noch pünktlicher und können die Fahrpläne noch dichter schnüren», sagte SBB-Pressechef Danni Härry am Montag an einer Demonstration in Zürich. 

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