Das Baselbiet wünscht ein Bonus-Malus-System

Im Grossraum Zürich müssen die SBB für verspätete S-Bahn-Züge bezahlen. Ein neues Bundesgesetz soll dies nun auch in der Nordwestschweiz möglich machen.

Verspätungen und ungenügende Kundeninformationen verärgern die Pendler im Baselbiet seit Längerem. Bereits im letzten Jahr wollte Regierungsrat Jörg Krähenbühl die SBB deshalb mit einem Bonus-Malus-System in die Pflicht nehmen. Dafür fehlte aber die rechtliche Grundlage. Mit der Bahnreform des Bundes soll sich dies nun ändern. In seiner Vernehmlassungsantwort begrüsst der Regierungsrat die neue Möglichkeit. Der Kanton sei daran interessiert, das System möglichst rasch in der Nordwestschweiz einzuführen, sagt Markus Meisinger, Leiter der Abteilung öffentlicher Verkehr beim Kanton. Die Erfahrungen aus dem Zürcher Pilotprojekt seien vielversprechend. Eins zu eins könne man das dortige Modell aber nicht übernehmen: «Wir brauchen eine eigene Lösung.» Denn die Situation rund um den internationalen Bahnknotenpunkt Basel ist vertrackt. Im Gegensatz zur Zürcher S-Bahn, welche auf einem eigenen Schienennetz verkehrt, müssen sich die Regionalzüge hier die Gleise mit dem nationalen und internationalen Fernverkehr teilen. Für diesen ist der Bund zuständig. Dazu kommt die Grenzlage: Für die S-Bahnen, die in Deutschland und Frankreich verkehren, gilt das neue Bundesgesetz nicht. Gut möglich also, dass es auch nach der Einführung eines Bonus-Malus-Systems weiter zu Verspätungen kommt. Unter Umständen könnte der Druck, die S-Bahnen pünktlich abfahren zu lassen, sogar kontraproduktiv wirken: Dann etwa, wenn die letzte S-Bahn den verspäteten Zug aus Deutschland nicht abwartet, um die Statistik nicht zu verschlechtern. Man sei sich dieser Schwierigkeiten durchaus bewusst, sagt Meisinger: «Minuten zählen kann keine Lösung sein.» Wichtig sei vor allem, die Zufriedenheit der Pendler zu erhöhen. Hier könnte neben einer reinen Verspätungsstatistik eine Passagierbefragung zum Zug kommen, welche auch Fragen wie Sauberkeit und Sicherheit in den Zügen einschliesse.

Ansporn
Obwohl die Kapazitätsengpässe auf den grossen Linien den Regionalverkehr auch weiterhin vor Schwierigkeiten stellen werden, erhofft sich der Kanton vom neuen System Vorteile: Der Malus führe dazu, dass der Regionalverkehr eine höhere Priorität erhalte. Wirken soll das Zusammenspiel von Zuckerbrot und Peitsche weniger auf der finanziellen als vielmehr auf der psychologischen Ebene. «Es wird nicht um grosse Beträge gehen», sagt Meisinger. Die Erfahrungen in Zürich hätten gezeigt, dass die finanzielle Bilanz meist ausgeglichen gewesen sei. Wichtiger sei aber, dass bei den SBB ein anderes Bewusstsein geschaffen werde. «Wenn ein Unternehmen einen Bonus erhält, ist das gute Werbung», so Meisinger. Letztlich wolle man die Bahn dazu anspornen, besser zu werden.

Bevor die SBB in der Nordwestschweiz in die Pflicht genommen werden können, ist jedoch noch eine andere Hürde zu bewältigen: Im Gegensatz zu Zürich erhalten die SBB ihren Leistungsauftrag hier nicht von einem, sondern von vier verschiedenen Kantonen. «Alle Regierungen müssten einverstanden sein», sagt Meisinger. Er rechnet deshalb damit, dass es noch mehrere Jahre dauert, bis die SBB tatsächlich in die Tasche greifen müssen, wenn sie ihren Auftrag nicht erfüllen.

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