Sa

20

Jun

2009

Rail Cargo Austria muss 150 Millionen Euro einsparen

Die Rail Cargo Austria (RCA), die Güterverkehrstochter der ÖBB, reagiert auf den Einbruch der Nachfrage. Im ersten Quartal ist das Frachtvolumen um rund ein Fünftel zurückgegangen und es wird nicht mehr ausgeschlossen, dass das der Rückgang im Gesamtjahr stärker ausfällt, als die bisher prognostizierten -15 Prozent. Der Aufsichtsrat habe daher vor zwei Wochen ein 150 Mio. Euro schweres Sparpaket abgesegnet, sagte Rail-Cargo-Vorstandschef Friedrich Macher zur APA. Dass die Gütertochter zu spät mit dem Sparen begonnen habe, wie das interne Kritiker behaupten, bezeichnet er als "absoluten Bullshit". Bereits seit Oktober werde gegengesteuert.

Nur so sei es gelungen, das operative Ergebnis 2008 - ohne Einmaleffekte - trotz der Rückgänge im Frachtgeschäft im letzten Quartal auf Vorjahresniveau zu halten, sagte Macher. 2007 hatte die Rail Cargo ein Betriebsergebnis (EBIT) von 24,67 Mio. Euro erwirtschaftet. Unter Einrechnung der bilanztechnisch notwendigen Sonderabschreibungen sackte das EBIT 2008 allerdings auf minus 40 Mio. Euro ab, das Vorsteuerergebnis drehte sogar von 13,4 Mio. Euro (2007) auf minus 301,78 Mio. Euro.

Im ersten Quartal 2009 habe sich das Ergebnis zum Vergleichszeitraum verschlechtert, räumt der Rail-Cargo-Chef ein. Grund dafür sei nicht zuletzt, dass die Kostensenkungen erst zu wirken begannen. Details zu den Quartalszahlen gebe man aber nicht bekannt.

Dem Vernehmen nach soll im ÖBB-Konzern von Jänner bis März ein operativer Verlust von rund 80 Mio. Euro angefallen sein, der größere Teil davon im Güterverkehr, der kleinere im Personenverkehr. Im Gesamtjahr 2009 wird bei der RCA mit einem Minus beim Frachtaufkommen von 15 Prozent und einem Umsatzrückgang um 130 bis 150 Mio. Euro gerechnet. 2008 setzte die Rail Cargo knapp 2,5 Mrd. Euro, die MAV Cargo 88 Mrd. Forint (304 Mio. Euro) um.

Sparpaket
Er bedauere, dass die "strategischen Erfolge" im Güterverkehr in der Aufregung um die ÖBB-Bilanzverluste untergegangen seien, sagte Macher. Die Rail Cargo sei durch die Übernahme der MAV Cargo Marktführer in Osteuropa und auf dem Weg zur mengenmäßigen Nummer 2 im europäischen Güterverkehrsmarkt, hinter der französischen Bahn. Die derzeitige Nummer 2, die polnische PKP, sei von der Krise jedenfalls stärker betroffen als die ÖBB.

Das Sparpaket sieht unter anderem eine weitere Abschlankung der in Folge der vielen Zukäufe in den vergangenen 10 Jahren komplizierten Strukturen im Güterverkehrssegment vor. Im Vorjahr seien bereits 30 der rund 100 GmbH fusioniert, aufgelöst oder verkauft worden, heuer sollen es wieder weniger werden, sagte Macher ohne genaue Zahlen zu nennen.

Weiter Einsparungen soll die stärkere Integration und Koordination mit der im Vorjahr übernommenen MAV-Cargo bringen. Allein heuer seien bereits 15 Mio. Euro an Synergieeffekten erzielt worden, bis 2012 sollen es 47 Mio. Euro jährlich sein. Unter anderem ersparten sich die ÖBB durch den Zukauf das Anmieten von Güterwaggons und könnten die Züge besser auslasten. Zudem haben sich die Grenzaufenthalte um Stunden verkürzt.

Am stärksten, konkret um 70 bis 80 Mio. Euro, sollen laut Macher aber die variablen Kosten wie die Ausgaben für Verschub, Traktion oder Energie sinken, einerseits wegen des geringeren Geschäftsvolumen, andererseits etwa durch bessere Zugplanung. Diese Einsparungen im Güterverkehr senken allerdings die Einnahmen in anderen Konzerngesellschaften, daher sei das Sparpaket der RCA nur teilweise auf die geplanten Einsparungen im Konzern von 200 Mio. Euro anzurechnen.

Stellenabbau
Der Personalstand soll durch den großräumigen Verzicht auf Nachbesetzungen auch heuer "um einige Hundert" verringert werden, sagte Macher. Der Geschäftsrückgang im Zuge der Wirtschaftskrise führe natürlich zu Überkapazitäten, denen man mit Überstunden- und Urlaubsabbau begegne. Auch eine weitere Verschiebung von Mitarbeitern in den Infrastrukturbereich, wo sie dringend gebraucht werden, sei denkbar. 2008 beschäftigte die Güterverkehrssparte der ÖBB im Schnitt 9.989 Mitarbeiter, um 130 weniger als im Jahr davor, die MAV Cargo hatte stabil 3.845 Beschäftigte.

Mit diesem Kostenreduktionskonzept, das großteils erst im zweiten Halbjahr wirkt, werde die Rail Cargo Austria jedenfalls gestärkt aus der Krise hervorgehen, ist der seit Jänner 2008 amtierende Macher überzeugt. Sollte die Marktnachfrage wieder anspringen und der Gütertransport sich stärker auf die Schiene verlagern, weil bestimmte Vorteile für den Lkw-Verkehr fallen, sei sogar ein Börsegang der Rail Cargo Austria denkbar: So in zwei bis drei Jahren und natürlich vorausgesetzt, dass der Eigentümer grünes Licht für die Privatisierung gibt. Infrastrukturministerin Doris Bures hat eine Privatisierung der RCA am heutigen Mittwoch aber ausgeschlossen, zumindest für diese Legislaturperiode. Jetzt gehe es um die Stärkung des Unternehmens, durchaus auch mit strategischen Partnerschaften, nicht um einen Verkauf, sagte sie.

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