Die Zürcher Stimmberechtigten haben die Volksinitiative Halbstündliche S-Bahn für alle deutlich abgelehnt

Der Zürcher Verkehrsverbund (ZVV) muss das Bahnangebot in Randgebieten wie dem Tösstal nicht gezwungenermassen ausbauen. Die kantonalen Stimmberechtigten haben die Initiative für den flächendeckenden Halbstundentakt innert dreier Jahre klar verworfen.

Die Zürcher S-Bahn wird auf in Zukunft nicht überall im Halbstundentakt verkehren                                                                         Foto: Marcel Manhart

 

Auslöser der kantonalen Volksabstimmung war 2006 der Entscheid des Verkehrsrats, die S 43 zwischen Wald und Rüti durch einen Bus zu ersetzen. Der aufflammende Zorn im Tösstal führte zur Volksinitiative «Halbstündliche S-Bahn für alle». Damit sollten bis 2011 alle im kantonalen Richtplan eingetragenen Bahnhöfe und Haltestellen der S-Bahn den Halbstundentakt erhalten. Am Sonntag haben die Stimmberechtigten des Kantons Zürich das Begehren nun mit 63,3 Prozent Nein-Stimmen abgelehnt. Die Stimmbeteiligung betrug 39,2 Prozent.

Die Resultate aus den Gemeinden zeigen deutlich, wo der Schuh am meisten drückt. So hat das Tösstal die Initiative geschlossen angenommen. Am deutlichsten fiel die Zustimmung in Fischenthal mit über 80 Prozent und in Wald mit 73 Prozent der Stimmen aus. Aber auch in den Gemeinden nahe Winterthur (Wila, Zell, Turbenthal) gab es Ja-Mehrheiten, obwohl hier die S-Bahn bereits im Halbstundentakt verkehrt und mit ihrer 4. Teilergänzung zusätzlich die S 11 einmal in der Stunde bis nach Wila fahren soll.

Kein Stadt-Land-Gegensatz
Über das Tösstal hinaus hielt sich die Solidarität in engen Grenzen. Im Stammertal, das ebenfalls noch keinen Halbstundentakt kennt, sagte nur Unterstammheim Ja zur Initiative. Im Unterland erklärt sich neben einigen kleinen Gemeinden der Bezirkshauptort Dielsdorf solidarisch mit Niederglatt. Das Dorf zwischen Oberglatt und Bülach muss noch bis 2015, wenn die Zürcher Durchmesserlinie eröffnet wird, auf den Halbstundentakt warten. Etwas unerwartet ist das klare Ja in Embrach. Insgesamt haben 15 in der Regel ländliche Gemeinden der Initiative zugestimmt. Sie scheiterte in allen Bezirken, wobei Hinwil und Dielsdorf mit je gut 45 Prozent die meisten Ja-Stimmen aufwiesen.

Umgekehrt ist es nicht so, dass das Begehren in den Städten am deutlichsten verworfen wurde. In Zürich lag die Zustimmung mit gut 37 Prozent, in der Stadt Winterthur gar mit mehr als 40 Prozent über dem kantonalen Durchschnitt. Am wenigsten Stimmen, jeweils knapp über 30 Prozent, erzielte die Initiative in den schon lange gut mit der S-Bahn versorgten Gebieten, so entlang der beiden Seeufer, in den Bezirken Uster und Dietikon, aber ebenso im Knonauer Amt, das seit 2007 bis Affoltern den Viertelstundentakt hat.

ZVV-Direktor Franz Kagerbauer, der an der Stelle der nach wie vor rekonvaleszenten Volkswirtschaftsdirektorin Rita Fuhrer für eine Stellungnahme vor die Medien trat, zeigte sich erfreut über das klare Resultat. Damit habe das Zürchervolk dem ZVV und seiner S-Bahn-Planung das Vertrauen ausgesprochen. Kagerbauer erklärte, die Regierung werde dem Kantonsrat noch in diesem Jahr eine Kreditvorlage für die 4. Teilergänzung der S-Bahn überweisen. Derzeit fänden Verhandlungen mit dem Bund über ihre Finanzierung statt. In diesem Zusammenhang erklärte der ZVV-Direktor, im Moment deute nichts darauf hin, dass der Bund den dafür notwendigen Ausbau des Bahnkorridors zwischen Effretikon und Winterthur nicht rechtzeitig vornehmen werde. «Wir setzen alles daran, dass es dabei zu keinen Verzögerungen kommt und der Bund seinen Verpflichtungen nachkommt», betonte Kagerbauer unter Verweis auf das mit Bern vereinbarte Finanzierungskonzept.

 

Keine Solidarität
Von den Parteien zeigten sich SVP, FDP und EVP, welche die Initiative abgelehnt hatten, erfreut über den klaren Ausgang. Die EVP forderte wie die SP die Regierung auf, den Zeitplan bei der Realisierung des Halbstundentakts in Randgebieten ernst zu nehmen. Die Initianten zeigten sich enttäuscht, aber wenig überrascht, dass die Solidarität nicht gespielt habe. Unter diesen Umständen waren sie mit dem Resultat, das den Druck auf den ZVV aufrechterhalte, durchaus zufrieden. Rico Croci, Gemeinderat in Wald, erklärte, die Leute im Tösstal wünschten rasch eine Verbesserung. Bei der Erschliessung der Bahnhöfe mit dem Bus lasse sich viel erreichen.

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