SBB erwägen abgestuftes Bussensystem

Die SBB verteidigen ihre einheitlichen Zuschläge für Schwarzfahrer bis vor Bundesverwaltungsgericht. Im Hintergrund aber führen die Transportunternehmen Gespräche über ein abgestuftes Tarifsystem.

Die Debatte ausgelöst hatte ein Bahnpassagier, der im Januar in einem Regionalzug mit Selbstkontrolle mit einem 2.-Klasse-Billett in der 1. Klasse erwischt worden war. Er weigerte sich, den Zuschlag von 80 Franken zu bezahlen, die die SBB auch von Schwarzfahrern ohne Billett einfordern.

Das Bundesamt für Verkehr gab ihm recht und verlangte von der SBB, den Zuschlag in einem solchen Fall individuell festzulegen. Das wollte nun aber das Bahnunternehmen nicht akzeptieren und zog den Fall vergangene Woche ans Bundesverwaltungsgericht weiter.

Hinter den Kulissen machen sich die Transportunternehmen jedoch sehr wohl Gedanken über ein abgestuftes Tarifsystem. Es handle sich aber erst um eine Idee, die Diskussion sei noch in einem sehr frühen Stadium, sagte SBB-Sprecher Danni Härry zu einem Bericht der Zeitung «Sonntag». «Vorläufig beträgt der Zuschlag 80 Franken.»

Noch ist nichts konkret
Auch Roger Baumann, Sprecher des Verbands öffentlicher Verkehr (VöV), betonte auf Anfrage, dass erst erste Gespräche geführt worden seien. Ein konkreter Antrag eines Mitglieds liege nicht vor. Darum sei auch unklar, wann ein neues Zuschlags-System allenfalls in Kraft treten könne.

Über die Zuschläge entscheidet die Tarif-Kommission des VöV. Mit einer Änderung müssten aber alle Mitglieder einverstanden sein, sagte Baumann. Ein nach Fall abgestuftes Zuschlags-System würden dann aber auch für alle VöV-Mitglieder gelten. Das sind neben SBB und BLS fast alle Privatbahnen, Postauto-, Schiffs-, Tram- und Busbetriebe.

 

 

 

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SBB gehen vors Bundesgericht

Das Bundesamt für Verkehr BAV wies die Bahn an, 1.-Klass-Passagiere mit einem gültigen 2.-Klass-Ticket nicht gleich zu büssen wie Schwarzfahrer. Jetzt fechten die SBB das in Lausanne an.

Die SBB will sich vom Bundesamt für Verkehr (BAV) nicht vorschreiben lassen, wie sie mit Schwarzfahrern umzugehen hat. Sie reicht beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde gegen einen BAV-Entscheid von Mitte März ein.

Der Zwist geht auf einen Vorfall von Mitte Januar zurück: Bei einer Billettkontrolle in einem Regionalzug mit Selbstkontrolle traf der Kontrolleur auf einen Mann, der mit einem 2.-Klass-Billett in der 1. Klasse reiste.

Der Passagier musste den Selbstkontrollzuschlag von 80 Franken bezahlen, den die SBB auch bei Schwarzfahrern einfordert. Das wollte der fehlbare Zugfahrer nicht akzeptieren.

BAV gab ihm Recht
Ein Passagier mit einem Ticket in der falschen Klasse müsse anders behandelt werden wie ein Schwarzfahrer, monierte er. Das BAV gab ihm Recht und verlangte von der SBB, den Zuschlag in einem solchen Fall individuell festzulegen.

Dieser Forderung will die SBB aber nicht entsprechen und reicht eine Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht ein, wie sie am Freitag mitteilte. Der Selbstkontrollzuschlag von 80 Franken sei eine einfache, für die Kunden transparente Regelung und habe sich in der Praxis bewährt.

Die Bundesbahnen stützen sich in ihrer Beschwerde «auf die langjährige Praxissprechung der Gericht», wie es im Communiqué weiter heisst. Diese hätten wiederholt festgestellt, dass sich eine Differenzierung der Zuschläge aus technischen und praktischen Gründen nicht rechtfertigen lasse.

SBB nimmt Zuschläge dennoch unter die Lupe
Beim Widerstand der SBB geht es vorab um die individuelle Festlegung des Zuschlages. Ob eine Abstufung desselbigen nach verschiedenen Kategorien möglich wäre, prüft die SBB zusammen mit dem für Tarife zuständigen Verband öffentlicher Verkehr (VöV) parallel zum rechtlichen Verfahren.

Vorerst bleibt allerdings alles beim Alten: Wer ohne gültiges Billett in einem Zug mit Selbstkontrolle unterwegs ist, zahlt 80 Franken Busse.

 

 

 

Ein Zweitklassfahrer fordert die SBB erstklassig heraus

Ein Passagier mit Zweitklassbillet in der 1. Klasse eines Regionalzuges mit Selbstkontrolle wird gebüsst und fühlt sich ungerecht behandelt. Seine Beschwerde wurde beim Bundesamt für Verkehr (BAV) erhört.

Das BAV fordert nun eine Änderung des Bussensystems. Gegenüber Radio DRS sagte BAV-Sprecher Gregor Saladin am Montag, dass die Tarife der Transportunternehmen - also auch der SBB - nach Verschulden differenziert werden müssten. Ein Schwarzfahrer müsse anders gebüsst werden als beispielsweise ein Passagier mit einem Ticket in der falschen Klasse.

Der Passagier hatte die Höhe der Zuschlags von 80 Franken kritisiert, den er hatte zahlen müssen. Diese ist gleich hoch, wie wenn er ganz ohne Billett unterwegs gewesen wäre.

SBB unzufrieden
Die SBB ist mit dem Entscheid des BAV jedoch nicht einverstanden. Sie will vorerst an ihrer Praxis festhalten und von Fahrgästen, die ohne gültiges Billett in der 1. Klasse reisen, einen entsprechenden Zuschlag verlangen, wie Sprecher Roland Binz auf Anfrage sagte.

Die SBB berufen sich dabei auf das Transportgesetz und den Tarif des öffentlichen Verkehrs. Der Entscheid des BAV sei nicht rechtskräftig, da die SBB den Entscheid voraussichtlich durch das Bundesverwaltungsgericht beurteilen lassen werde, sagte Binz weiter.

Gleichzeitig prüfe man innerhalb des Verbands öffentlicher Verkehr, ob unterschiedliche Zuschläge für Reisende ohne Billett und für solche mit einem Billett für die falsche Klasse möglich seien. In beiden Fällen deckten die Zuschläge aber nicht die Kosten, die die Reisenden verursachten.

 

 

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