Sa

11

Apr

2009

Gesäuse-Bahn könnte auf dem Abstellgleis landen

Die ÖBB dementieren Gerüchte über eine komplette Einstellung des Personenverkehrs. Über ein Buskonzept werde aber nachgedacht.

Unter Insidern über Belange des öffentlichen Verkehrs gilt es als "fast sichere Sache", dass der Personenverkehr auf der Bahnstrecke zwischen Selzthal und Kleinreifling eingestellt werden könnte. Davon betroffen wären entlang der steirischen Gesäusestrecke die Gemeinden Admont, Johnsbach/Gstatterboden, Hieflau, Landl/Grossreifling, Weißenbach-St. Gallen und Kleinreifling.

Als möglicher Zeitpunkt für die Einstellung wird der Fahrplanwechsel 2009/2010 genannt. Als Ersatz soll ein Buskonzept ausgehend vom neuen Liezener Busbahnhof erarbeitet werden. "Es gibt noch keine definitive Entscheidung und von einer Einstellung ist keine Rede", sagt dazu ÖBB-Pressesprecherin Verena Harrasser. Sie bestätigt aber, dass an einem Angebotskonzept für die Gesäuseregion gearbeitet werde. "Es gibt Überlegungen, alternativ Busse einzusetzen oder Bus und Schiene ergänzend zu nutzen. Derzeit werden Varianten auf ihre Sinnhaftigkeit geprüft, fix ist noch gar nichts." Die Bürgermeister der betroffenen Gemeinden "hätten gerne ein Buskonzept", so Harrasser.

Nicht offiziell

Der Admonter Bürgermeister Günther Posch hat aus der Gerüchteküche ebenfalls vernommen, dass der Personenverkehr auf der Bahn-Gesäusestrecke eingestellt und durch Busse ersetzt werden könnte. "Offiziell war aber niemand bei uns, es gibt auch keine Gespräche oder Verhandlungen." Posch stützt die Darstellung der ÖBB-Sprecherin: "Wenn auf Busse umgestellt wird, hätte ich, für meine Gemeinde gesprochen, damit kein Problem, denn der Weg zum Zug ist für viele Bewohner doch weit." Ein Problem hätte Posch allerdings dann, wenn die Gemeinden für den Busverkehr mitzahlen müssten. "Das kann ich mir nicht vorstellen, denn die Gemeinden tun sich jetzt schon sehr schwer. Außerdem ist der öffentliche Verkehr Sache von Bund und Land, nicht der Gemeinden."

Bahnhofumbauten

Kürzlich wurden Bahnhofumbauten in Admont und Weißenbach/Enns angekündigt. Laut Posch sei das Vorhaben in Admont nicht auf Eis gelegt. Reduziert werden soll auf der Gesäusestrecke aufgrund des gesunkenen Frachtaufkommens angeblich der Güterverkehr, Transporte in der Nacht seien eingestellt. Die ÖBB dementiert.

 

Drei Faktoren - Kommentar von Ute Gross

Die Frage, ob Kundinnen und Kunden des öffentlichen Verkehrs Busse oder Züge zur Verfügung stehen, ist, abgesehen im Wertesystem eingefleischter Eisenbahner, sekundär; primär ist die flächendeckende und funktionierende Versorgung.

Wenn im Gesäuse die Weichen Richtung Bus gestellt werden, sind drei Faktoren von Bedeutung: Erstens müssen die Gemeinden rechtzeitig eingebunden werden. Zweitens muss die Finanzierung gesichert sein. Gemeinden für die Aufrechterhaltung des öffentlichen Verkehrs zahlen zu lassen, ist unzumutbar, da für die Kommunen unfinanzierbar und auch nicht deren Aufgabe.

 

Drittens ist die Gesäuse-Bahnstrecke durch den Nationalpark ein touristisch genutztes Juwel und daher absolut erhaltenswert.

Sie erreichen die Autorin unter  ute.gross@kleinezeitung.at

 

 

 

Weichenstellung für Bus statt Zug

Mit den Gemeinden wird bereits konkret über ein Buskonzept verhandelt. Einen definitiven Beschluss der ÖBB gibt es aber noch nicht.

Die Einstellung des Zugsverkehrs auf der Gesäusestrecke zwischen Selzthal und Kleinreifling (wir berichteten) ist zwar offiziell noch nicht beschlossene Sache, die ÖBB haben die Weichen aber ganz klar in diese Richtung gestellt. Mit den Bürgermeistern der Region gibt es bereits entsprechende Gespräche.

An Buskonzept wird gearbeitet

"Fix sind bei uns die Dinge erst, wenn Vorstand und Aufsichtsrat eine Entscheidung gefällt haben, und das ist definitiv nicht der Fall", erklärt dazu ÖBB-Sprecherin Verena Harrasser. Derzeit werde unter Einbindung der Gemeinden an einem Buskonzept gearbeitet - eher ein Vorteil, wie Harrasser meint, denn mit Bussen könne man den Bedürfnissen der Fahrgäste eher gerecht werden als mit Zügen. Der Admonter Bürgermeister Günther Posch hat bereits signalisiert, dass er diesen Argumenten einiges abgewinnen kann, auch der Ortschef von Landl, Bernhard Moser, ist dieser Variante gegenüber nicht unbedingt abgeneigt, hat aber auch Bedenken: "Alls zusperren kann auch nicht die Lösung sein, aber man muss schauen, was herauskommt."

Nationalpark ohne Eisenbahn nicht vorstellbar

Widerstand der Region würde es allerdings geben, wenn die Strecke komplett aufgelassen würde - der Nationalpark ohne Eisenbahn ist nicht vorstellbar. "Das ist aber überhaupt nicht angedacht, die Strecke soll nicht lahm gelegt werden, auch die Nostalgiezüge sollen weiter fahren", so Harrasser. Bedenken haben die Gemeinden, dass sie für den Busverkehr zur Kasse gebeten werden könnten und Orte nur dann angefahren werden, wenn die Gemeinden mitzahlen. "In diesem Fall ist das kein Thema, denn es geht nicht um zusätzliche Leistungen, sondern um Bus statt Zug, die Leistungen werden vom ÖBB-Personenverkehr übernommen", sagt Harrasser.

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Kommentare: 2
  • #1

    ozito (Donnerstag, 02 Juli 2009 22:12)

    Es findet bereits eine Unterschriftenaktion gegen die Stilllegung der Gesäusebahn statt auf:
    www.xeisbahn.at

  • #2

    info24 (Donnerstag, 02 Juli 2009 22:24)

    Vielen Dank für den Hinweis!