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28

Mär

2009

Details zur Fahrleitungsstörung in Dietikon vom 26.3.09

Zehntausende von Pendlern mussten sich am Donnerstag 26. März 2009 wegen einer Fahrleitungsstörung in Dietikon in Geduld üben. Es kam zu Verspätungen auf dem gesamten SBB-Schienennetz. Der Fernverkehr konnte die Strecke nach zwei Stunden wieder beschränkt befahren; der S-Bahnverkehr soll erst am Freitag wieder aufgenommen werden. 

Zur Fahrleitungsstörung kam es kurz vor 16 Uhr, wie die SBB bekannt gaben. Ein Intercity-Zug riss im Bahnhof Dietikon im Zürcher Limmattal die Fahrleitung bei einer Weiche herunter. Da diese Fahrleitung quer übers Gleisfeld führt, waren alle sechs Gleise des Bahnhofs vom Unterbruch betroffen; es kam zu einem Totalausfall. Laut SBB-Sprecher Reto Kormann erlitten rund 500 Züge Verspätungen, rund 30 fielen aus. Die Züge zwischen Bern und Zürich sowie zwischen Basel und Zürich wurden zunächst teilweise über das Furttal umgeleitet. Die Passagiere mussten in der Folge Verspätungen von rund einer Stunde hinnehmen.

Zwei Stunden später konnten vier der sechs Gleise wieder in Betrieb genommen werden. Im Fernverkehr war aber weiterhin mit Folgeverspätungen zu rechnen. Da es sich bei dem Bahnhof um einen neuralgische Stelle handelt, war auch der Schienenverkehr auf den restlichen Strecken betroffen, wie Kormann sagte. Zudem sei die Störung mitten im Feierabendverkehr aufgetreten.

Betroffen war auch der S-Bahnverkehr. Nachdem die Strecke für den Fernverkehr wieder beschränkt befahrbar war, blieb der S-Bahn-Verkehr weiterhin unterbrochen. Die Zürcher S-Bahn-Linien S3 und S12 wendeten in Schlieren und Killwangen. Es wurde ein Busersatzdienst eingerichtet. Mit einer Wiederaufnahme des Betriebes wird erst für Freitag gerechnet.

Wie es zu dem Unfall gekommen ist, ist laut Kormann Gegenstand von Untersuchungen. Die Gleise und Fahrleitungen würden aber immer stärker genutzt, weshalb auch der Verschleiss höher sei. Die SBB unternähmen aber alles, um eine möglichst lange Lebensdauer der Infrastruktur zu gewährleisten.

 

 

Wie ein Stromabnehmer das SBB-Netz blockierte

 

Weil bei einer Lokomotive ein Stromabnehmer heruntergerissen wurde, kam es in der Folge zum Streckenunterbruch des SBB-Netzes im Grossraum Zürich. Die Ursache des Schadens ist noch nicht gänzlich geklärt.

Die weitreichende Störung des SBB-Verkehrs im Grossraum Zürich ist am Donnerstag nicht durch einen einzigen Zug verursacht worden. Involviert waren insgesamt drei Kompositionen. Als Erstes fädelte die Lokomotive des IC 829 (Brig–Romanshorn) kurz vor 16 Uhr bei einer Weichenverbindung ausgangs Dietikon mit dem Pantografen (Stromabnehmer) in der Fahrleitung ein. Dabei wurde der Stromabnehmer heruntergerissen.

Der Lokomotivführer bemerkte zwar einen kurzfristigen Stromabfall, realisierte aber nicht, dass bei der Lokomotive der Stromabnehmer abgerissen wurde. «Ein kurzfristiger Stromabfall ist grundsätzlich nichts Ungewöhnliches», sagt SBB-Sprecher Roman Marti gegenüber NZZ Online. Denn die Stromabnehmer werden mittels einer Feder an die Fahrleitung gepresst, sie sind also beweglich. Nachdem es den einen Stromabnehmer abgerissen hatte, ging bei der Lokomotive vom Typ Re 460 (Lok 2000) automatisch der zweite Pantograf ans Netz.

Weil der Lokomotivführer keine Kenntnis des Schadens hatte, konnte er den Vorfall auch nicht der Leitstelle melden und fuhr mit Hilfe des zweiten Stromabnehmers der Lokomotive in den Hauptbahnhof Zürich. Dort kommt der Zug fahrplanmässig um 15 Uhr 58 an. Erst im Hauptbahnhof realisierte der Lokomotivführer, dass der Pantograf zwischen Lokomotive und erstem Wagen (Doppelstock) gefallen war. Hätte es sich nicht um einen Doppelstock-Wagen gehandelt, wäre der Stromabnehmer möglicherweise während der Fahrt von Dietikon in den Hauptbahnhof auf ein Gleis gefallen.

 

Die Fahrleitung war noch oben
In der Zwischenzeit fuhren zwei weitere Kompositionen über die beschädigte Stelle in Dietikon und rissen die beschädigte Fahrleitung vollständig herunter. Es handelte sich um eine Komposition unterwegs von Basel nach Chur und um eine dreiteilige Komposition der S 12 (Brugg–Seuzach). Bei der S-Bahn wurde der Bügel heruntergerissen, und am Dach zweier Zugseinheiten gab es Beschädigungen.

Laut SBB-Sprecher Marti ist nicht klar, ob die Ursache des Zwischenfalls beim Pantografen oder bei der Fahrleitung lag. Der Stromabnehmer werde gegenwärtig untersucht. Die Fahrleitung war in einem sehr guten Zustand, sie ist laut Marti «vor wenigen Tagen routinemässig unterhalten und kontrolliert worden». Die SBB gehen derzeit nicht davon aus, dass eine Materialermüdung zum Unfall geführt hat, im Fokus der Untersuchung liegt ein mechanisches Problem, das dazu führte, dass der Stromabnehmer beim Weichen-Fahrdraht einfädelte.

 

Keine Gefahr für Reisende
Für die Reisenden bestand nie eine Gefahr. Beim Kurzschluss einer Fahrleitung wird diese sofort abgeschaltet. Ausserdem leitet der Wagenkasten den Strom ab.

Wegen des Streckenunterbruchs waren Tausende von Pendlern im Grossraum Zürich betroffen. Der Streckenunterbruch hatte überdies Folgen auf das SBB-Netz der ganzen Schweiz. 500 Züge hatten Verspätung, rund 30 Kompositionen fielen ganz aus. Viele Züge wurden umgeleitet, für den S-Bahn-Verkehr richteten die SBB zwischen Schlieren und Killwangen einen Ersatzdienst mit Bussen ein. Hier gab es allerdings gewisse Kapazitätsprobleme. Die Verspätungen betrugen mindestens eine Stunde.

 

Reparaturen während der ganzen Nacht
Nach 18 Uhr konnten die überregionalen Züge wieder via Dietikon geleitet werden. Der S-Bahn-Betrieb konnte jedoch erst am Freitagmorgen wieder fahrplanmässig aufgenommen werden, die Reparaturen dauerten die ganze Nacht hindurch bis um 6 Uhr.

 

 

Betriebsleitzentrale musste Busse organisieren

 

Während sich die Pendler im Limmattal am Donnerstag in Geduld üben mussten, war das Organisationstalent der SBB-Mitarbeiter gefragt.

 

Die Busse fuhren beinahe im Fünf-Minuten-Takt beim Bahnhof Dietikon vor. Sie waren bis auf den letzten Platz gefüllt. Auf dem Bahnhofsareal herrschte Betriebsamkeit, wie schon lange nicht mehr. Die an ihren leuchtenden Westen zu erkennenden Kundenbetreuer der SBB hatten alle Hände voll zu tun. Die Reisenden wollten wissen, welcher Bus sie nach Hause bringt.

Die Autobusse kamen zwischen Schlieren und Killwangen-Spreitenbach zum Einsatz. Gegen 18 Uhr war der Schaden behoben. Der Fernverkehr konnte den Betrieb wieder aufnehmen. Die S-Bahn-Linien blieben jedoch noch bis Betriebsschluss gesperrt.

Während bei den Pendlern in dieser Situation Geduld gefragt war, galt es auf Seiten der SBB, die Organisation der Ersatzbusse und der Umleitungen an die Hand zu nehmen.

«In einem solchen Fall ist unter anderem die Betriebsleitzentrale in Zürich stark gefordert», erklärt Roman Marti von der Medienstelle der SBB. Die Mitarbeiter dort würden anhand von Checklisten das weitere Vorgehen planen. «Sie entscheiden, welche Züge umgeleitet werden und welche man ausfallen lässt. Gleichzeitig sind andere Mitarbeiter damit beschäftigt die Ersatzbusse zu organisieren», sagt Marti.

Zu diesem Zweck arbeite man mit verschiedenen Partnern im öffentlichen Verkehr zusammen. Im Bedarfsfall – wie gestern geschehen – könnten auch Carunternehmen zum Einsatz kommen

Hauptverkehrszeit als Problem
So einfach wie sich das anhört, ist die Organisation der Busse allerdings nicht. «Einerseits verfügen nicht alle Busbetriebe über die gleiche Anzahl Fahrzeuge. Zudem müssen die Busfahrer die gesetzlichen Ruhezeiten eingehalten haben, um einen Bus zu lenken», so Marti. Die Tageszeit und das Datum spiele ebenfalls eine wichtige Rolle.

«Je mehr Busse und Fahrer bereits regulär im Einsatz sind, desto schwieriger ist es, schnell genügend Busse für die Ersatzfahrten zu organisieren. Zur Hauptverkehrszeit sind beispielsweise die meisten Busse der ÖV-Betriebe bereits unterwegs», hält Marti fest. Genau zu dieser Zeit sei die Störung in Dietikon aufgetreten.

Nun gelte es, das Störungsmanagement genau zu analysieren und Verbesserungsmöglichkeiten auszuloten. «Die Störung war für alle Beteiligten eine grosse Hersauforderung und ärgerlich für unsere Kunden», sagt Marti. «Unglücklicherweise fielen durch die heruntergerissene Fahrleitung alle sechs Gleise im Bahnhof Dietikon aus. Insgesamt hatten rund 1700 Züge Verspätung, 102 Züge mussten ausfallen und 10 Züge wurden umgeleitet.»

 

 

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