So

22

Mär

2009

Spatenstich auf steirischer Seite für den Koralmtunnel

Mit dem Spatenstich ist am Freitag der Startschuss für den Bau des Koralmtunnels auf steirischer Seite gefallen. Zahlreiche Bundes- und Landespolitiker sowie ÖBB-Spitzen nahmen am Festakt teil. Wenig Begeisterung gab es bei den Anrainern.

Der Koralmtunnel ist das Herzstück der insgesamt 130 Kilometer langen, zweigleisigen Bahnstrecke zwischen Graz und Klagenfurt. Die Koralmbahn soll die Fahrzeit von derzeit drei Stunden auf eine Stunde verkürzen. 2018 soll die neue Strecke in Betrieb gehen. Mit 200 km/h bringt die Bahn die Fahrgäste dann in einer Stunde von Graz nach Klagenfurt. Entlang der gesamten Strecke wird es nach der Fertigstellung insgesamt zehn Bahnhöfe bzw. Haltestellen geben.

Startschuss für Tunnelbau
In Frauental im Bezirk Deutschlandsberg, wo sich künftig das Ostportal des Tunnels befinden wird, nahmen am Freitag die Bagger die ersten Arbeiten für den Bau des 33 Kilometer langen Koralmtunnels auf steirischer Seite auf.

Strassenüberführungen und Lärmschutzdämme
Mit Freitag starten nun umfangreiche Erdbewegungen. In dem Abschnitt vom Gemeindegebiet Groß St. Florian und Unterbergla bis zum Beginn des Ostportals in Frauental werden vier Strassenüberführungen, Lärmschutzdämme und Entwässerungsleitungen errichtet. Nach Fertigstellung der Überführungen wird das Verkehrsnetz - die Trasse der Graz-Köflacher Bahn - umgelegt und an den Verlauf der Koralmbahn (KAB) angepasst

Bures: "Ein neues Zeitalter für die Südbahn"
Infrastrukturministerin Doris Bures (SPÖ) sprach am Freitag von einem historischen Tag - nicht nur für die Steiermark und Kärnten, sondern für ganz Österreich: "Weil ein neues Zeitalter auf der Südbahn damit auch wirklich eingeläutet wird. Wir werden die Wirtschaft damit ankurbeln, wir werden Arbeitsplätze absichern und wir werden in ein neues Verkehrsmittel investieren, das schneller ist als das Auto und vor allem umweltfreundlicher".

Arbeit für 1.000 Menschen
Der Abschnitt Koralmtunnel 1 ist 5,5 Kilometer lang. Bis Jahresende wird auf der 3,2 Kilometer langen Strecke gebaut, danach beginnen die Arbeiten im 2,3 Kilometer langen Tunnelinneren. Rund 100 Millionen Euro kostet dieser Bauabschnitt und bringt Arbeit für 1.000 Menschen.

Fünf Milliarden Euro für Koralmbahn
Insgesamt werden an die fünf Milliarden Euro in die Koralmbahn investiert. Das Institut für höhere Studien hat errechnet, dass am Bau der Koralmbahn über die gesamte Projektdauer bis zu 45.000 Arbeitsplätze hängen.

Tunnelanschlag voraussichtlich Ende 2009
Die ersten 300 Meter des Tunnelbereichs würden in offener Tunnelbauweise gebaut, so ÖBB-Infrastruktur Bau AG Vorstandssprecher Andreas Matthä. 400.000 Kubikmeter Material werde ausgebrochen, 65.000 Kubikmeter Beton und 3.300 Tonnen Baustahl würden alleine in diesem Baulos verarbeitet. Auf der Freistrecke werden 830.000 Kubikmeter Erde bewegt, um Platz für 3.500 Tonnen Brückenstahl und 105.000 Kubikmeter Beton für Brücken, Stützpfähle und Kleinbauwerke zu schaffen. Der eigentliche Tunnelanschlag nach der Fertigstellung des offenen Tunnelbereichs erfolgt voraussichtlich Ende 2009.

Voves fordert Semmering-Basistunnel neu
Landeshauptmann Franz Voves (SPÖ) dankte am Freitag auch der ehemaligen steirischen Landeshauptfrau Waltraud Klasnic (ÖVP) und dem verstorbenen Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider (BZÖ) für die langjährige Vorarbeit.
Voves forderte auch die Errichtung des Semmering-Basistunnels neu: "Denn wer A sagt, muss auch B sagen."

Steirer sprechen von "Jahrhundertprojekt"
Voves sprach von einem Jahrhundertprojekt - ähnlich wie auch die steirische Verkehrslandesrätin Kristina Edlinger-Ploder (ÖVP): "Mit einer Kärntner Mutter - sozusagen ein bisschen Kärntner Blut - ist man als Steirerin einfach glücklich, dass man auch die Möglichkeit hat, bei etwas dabei zu sein, das wirklich jahrhundertelang Bestand haben wird". ÖBB Holding-Vorstandssprecher Peter Klugar meinte, er sei "sonst nicht für Superlative, aber die Koralmbahn ist das längste neue Bauprojekt der ÖBB derzeit".

Anrainer: "Wir haben nur den Lärm"
Während ÖBB und Politik in einem Festzelt den Spatenstich für den Tunnel feierten, hielt sich die Freude bei den Menschen, die nur wenige Meter davon entfernt leben, in Grenzen: "Wir haben ja nichts davon, nur den Lärm", heiss es.

 

 

Auf Kärntner Seite wurde bereits mit dem Bau begonnen

Die seit Jahrzehnten geplante Hochleistungsstrecke der ÖBB zwischen Graz und Klagenfurt nimmt langsam Gestalt an. Für den Koralmtunnel, das zentrale Bauprojekt der Strecke, beginnen am Montag die Arbeiten auf steirischer Seite.
   
Zwei Mrd. Euro für Koralmtunnel
Der Koralmtunnel ist das wichtigste und mit rund zwei Milliarden Euro Kosten auch teuerste Bauvorhaben der Koralmbahn. Auf Kärntner Seite wurde bereits mit dem Vortrieb begonnen. Nun wird auch von der Steiermark aus an dem zweiröhrigen Eisenbahntunnel gearbeitet. Im weststeirischen Laßnitztal bei Groß St. Florian und Wettmannstätten stehen schon einige Brückenbauwerke.
   
33 Kilometer durch die Koralm
Ab Montag werden sich die Tunnelbauer von Standort des künftigen Intercity-Bahnhofes in Groß St. Florian in Richtung Frauental vorarbeiten. Dort wird dann die Bahnstrecke für eine Länge von 33 Kilometern unter der Koralm verschwinden.
   
Erstes Baulos von fünf Kilometern Länge
Dieses erste Baulos ist rund fünf Kilometer lang und es müssen zuerst einmal hunderttausende Kubikmeter Erdmassen bewegt werden, um die entsprechende Trasse für die Eisenbahn zu bauen.
   
Zuerst stehen Aufschliessungsarbeiten an
Gerhard Harer, der ÖBB-Projektleiter der Koralmbahn, sagt: "Wir müssen einmal zum Ostportal des Koralmtunnels dazukommen und die entsprechenden Aufschließungsarbeiten machen: Es sind drei Brücken zu bauen, es sind die Portalarbeiten zu machen. Wir haben also einige Monate im Vorfeld zu tun und werden dann im Lauf des kommenden Jahres mit den bergmännischen Tunnelbauarbeiten beginnen."
   
Fertigstellung für 2018 geplant
Laut Harrer werden zwischen 80 und 100 Bauarbeiter, Projektabwickler und Planer mit dem Bau beschäftigt sein. Rund 100 Millionen Euro fließen in diesen ersten steirischen Bauabschnitt des Koralmtunnels. Die rund 130 Kilometer lange Eisenbahnstrecke von Graz bis Klagenfurt soll in rund zehn Jahren fertig sein.

 

 

 

Die Koralmbahn gilt als das ehrgeizigste und mit rund fünf Mrd. Euro teuerste Schienenbauprojekt im Süden Österreichs, das bis heute nicht ganz unumstritten ist.

Chronologie

Es gilt als das ehrgeizigste und mit rund fünf Mrd. Euro teuerste Schienenbauprojekt im Süden Österreichs, das bis heute nicht ganz unumstritten ist: die Koralmbahn mit dem 32,9 km langen Koralmtunnel als Herzstück.
   
Verbindung zwischen Ostsee und Mittelmeer
Die rund 130 km lange, zweigleisige Hochgeschwindigkeitsstrecke ist vom überregionalen Konzept her Teil des transeuropäischen Korridors VI, der die Ostsee mit dem Mittelmeer verbinden soll.
   
Konkrete Formen seit den 80ern
Konkrete Formen angenommen hatte das Projekt einer neuen Bahnverbindung zwischen der Steiermark und Kärnten Ende der 1980er Jahre. Von da an war es Standardforderung, wenn es darum ging, die Benachteiligung des Südens in der Infrastruktur wettzumachen. Man sprach von einem Lieblingsprojekt Jörg Haiders, aber auch die Steiermark warf sich dafür parteienübergreifend in die Bresche. Während etwa die Grünen auf Bundesebene skeptisch bis ablehnend agierten, waren die steirischen Grünen immer bei den Befürwortern an Bord.

Kombination mit Semmering-Basistunnel
Immer wurde das Projekt auch in Kombination mit dem Semmering-Basistunnel (SBT) gesehen, wobei der SBT am Widerstand Niederösterreichs scheiterte bzw. auf die lange Bank geschoben wurde.

LH Franz Voves ist überzeugt, dass nicht nur der Koralm-, sondern auch der Semmeringtunnel gebaut wird. In der ZIB2 sagte Voves, er gehe davon aus, dass Erwin Pröll mit der Neuplanung des Tunnels zufrieden sein werde.
   
"Nur beide Tunnel zusammen machen Sinn"
"Nur der Koralm- und der Semmeringtunnel zusammen machen Sinn", sagte Landeshauptmann Franz Voves (SPÖ). Er glaube, dass es in den nächsten Jahren auch mit dem niederösterreichischen Landeshauptmann Erwin Pröll (ÖVP), dem bisherigen Gegner des Semmeringtunnels, positive Gespräche über die Neuplanung des Projekts geben werde.
   
"Amikale Gespräche"
"Ich gehe davon aus, dass auch Kollege Pröll mit dieser Neuplanung letztlich zufrieden sein wird, wie ich überhaupt dem Kollegen Pröll jetzt nicht über den Semmering oder den Wechsel ausrichten möchte, wie er sich in dieser Frage zu verhalten hat. Ich bin für amikale Gespräche", so Voves.
   
"Stehe zu Kritik an Gusenbauer"
Angesprochen auf seine heftige Kritik an Bundeskanzler Alfred Gusenbauer, unmittelbar nach der Regierungsbildung, sagte Voves, er stehe zu dieser Kritik.
   
Hart aber herzlich
"Ich gehe nicht davon aus, dass die steirische SPÖ - wir haben einen klaren Beschluss im Landesparteivorstand - zu Dauerkritikern der Bundespartei wird. Wir werden uns in Zukunft weiterhin sehr produktiv, konstruktiv, aber auch mit der notwendigen Kritik in die bundesparteipolitische Arbeit einbringen."
   
Selbstkritisch fügte Voves an, das "äußere Erscheinungsbild" seiner im Jänner vor laufenden Kameras an Bundesparteichef Gusenbauer geäußerten Kritik sei vielleicht eines Landeshauptmanns nicht ganz würdig gewesen - die Mehrheit der Steirer habe aber seine emotionale Reaktion verstanden.

"Mutwillige Geldvergeudung"
Wasser auf die Mühlen der Befürworter war eine Studie des Instituts für Höhere Studien (IHS) 2002, wonach mit dem Gesamtinvestitionsvolumen über das Achtfache an volkswirtschaftlichen Effekten erzielt werden könne. Doch es gab und gibt auch Gegner: So bezeichnete der TU-Verkehrsprofessor Hermann Knoflacher das Vorhaben als "mutwillige Geldvergeudung".

 

Bau wurde 2004 fixiert
Fixiert wurde der Bau schließlich 2004 in einem Vertrag zwischen Bund und ÖBB mit den Bundesländern Kärnten und Steiermark, die sich mit 20 Prozent an den Tunnelkosten beteiligen.
   
Bekenntnis von Gusenbauer und Faymann
Mit der Übernahme der Kanzlerschaft durch die SPÖ erfolgte ein klares Bekenntnis von Alfred Gusenbauer (SPÖ) zur Koralmbahn, wobei der damalige Kanzler auch seinen Verkehrsminister Werner Faymann - in abweichenden Termineinschätzungen - auf Kurs brachte. Es werde gebaut, die Fertigstellung der Koralmbahn sei für 2018, die des Tunnels bis 2016 geplant.

 

800 Mio. Euro verbaut
Anfang 2009 tauchten im Zuge der Wirtschaftskrise und der Finanzsituation der Bundesbahnen wieder Gerüchte auf, das Jahrhundertprojekt könnte verschoben werden, was von den ÖBB und der neuen Verkehrsministerin Doris Bures (SPÖ) dementiert wurde. Mittlerweile seien auch schon rund 800 Mio. Euro verbaut, hiess es.

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