Speisewagen – wo Essen auf Rädern Spass macht

Das Streckennetz der Deutschen Bahn ist für manche kulinarische Überraschung gut. Mit Kreationen wechselnder Spitzenköche und landestypischen Spezialitäten aus den Nachbarländern will das Unternehmen Reisenden die Fahrt versüßen. Doch auch ausländische Bahnen verwöhnen ihre Gäste mit Leckereien.

Zum Auftakt gibt’s eine österreichische Kräuterlimonade. Das Mittagessen beginnt mit einer Salatschüssel mit frischer Kresse und Tomaten, es folgt eine Rinderkraftbrühe mit Grießnockerln. Als eine knappe halbe Stunde später das Hauptgericht serviert wird, hat der Gast schon 60 Kilometer zurückgelegt – ohne seinen Platz zu verlassen. Denn das Menü mit Spezialitäten aus der Küche Österreichs wird ihm zwischen Koblenz und Köln serviert – auf Schienen, während der Fahrt in einem österreichischen Speisewagen.

Essen und Trinken auf Rädern: Das Streckennetz der Deutschen Bahn (DB) ist für manche kulinarische Überraschung auch aus den Nachbarländern gut. Während die DB selbst im Angebot ihrer ICE-Speisewagen, in Eurocity- und auch vielen Intercity-Zügen mit Kreationen wechselnder Spitzenköche für Abwechslung sorgen möchte, geben auch ausländische Bahnen Eindrücke von ihren Spezialitäten.

„Darf ich Ihnen nun das Wiener Schnitzel servieren?“, fragt die Kellnerin im Speisewagen der Österreichischen Bundesbahn (ÖBB). Der Wagen ist Teil eines Eurocity auf der Fahrt von Wien nach Hamburg. „Bitte sehr – und dazu die Petersilien-Erdäpfel“, sagt sie später in ihrer Mundart beim Servieren.

Kurz bevor der Kölner Dom in Sichtweite kommt, spürt der Gast einen Hauch von Urlaub im Nachbarland. „Das ist etwas, was wir auch erreichen möchten“, sagt ÖBB-Sprecherin Katja Blum. „Der Aufenthalt bei uns an Bord soll auch einen Gruß aus Österreich vermitteln. Deshalb ist die klassische österreichische Küche auch die Grundlage unserer Speisepläne.“ Aber auch „Klassiker“ aus aller Welt werden angeboten. „Wir legen Wert darauf, dass auch gesunde Küche angeboten wird“, versichert Blum. Auch fleischlose Speisen für Vegetarier sind im Angebot enthalten.“

Ungarischer Charme empfängt die Gäste
Ein anderer Zug, eine andere Menükarte: Im Eurocity 175 auf der Fahrt von Hamburg nach Budapest ist zwischen die deutschen Wagen ein Speisewagen aus Ungarn eingereiht. Kellner Péter Danyi und sein Koch Balint Szigeti haben alle Hände voll zu tun. Ungarischer Charme empfängt die Gäste: „Darf’s noch ein Kaffee sein, meine Dame? Und für Sie, mein Herr, vielleicht noch zwei Spiegeleier? Oder wie wär’s mit unserer Salami“, fragt Danyi, der seit 25 Jahren auf Schienen unterwegs ist. 

Der Koch bereitet währenddessen schon das Mittagsessen vor. „Markapörkölt galuskával“ steht zum Beispiel auf der Karte – zum Glück mit Übersetzung: „Rindergulasch mit Nockerln“. „Aber auch das Szegediner Gulasch ist sehr beliebt“, erzählt Balint Szigeti. „Genauso wie unser Nationalgetränk, der Barrack“ – Aprikosenbrand bei Tempo 160. Wer vom Urlaub am Plattensee zufällig noch ein paar Forint hat, kann übrigens auch in der ungarischen Landeswährung bezahlen.

Vielseitigkeit ist auch bei den Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) angesagt. „Unsere Speisewagen fahren in Deutschland von und nach München, Hamburg und Bremen“, sagt Yvo Locher von Elvetino, einer SBB-Tochter. „Seit Jahresbeginn arbeiten wir unter anderem mit einer bekannten Schweizer Confiserie zusammen und seit mehr als drei Jahren mit Drei-Sterne-Guide-Michelin-Koch Philippe Rochat.“

Jeden Monat werden die Speisekarten gewechselt. In Speisewagen der polnischen Staatsbahn PKP lockt würzige Krakauer Bockwurst. „Traditionelle polnische Küche und eine vielfältige Auswahl an Spezialitäten aus anderen Teilen der Welt, wie die italienische Bruschetta“, verspricht das PKP-Tochterunternehmen Wars.

Beim Bier ist Vorsicht geboten
Ebenso wie in anderen ausländischen Speisewagen wird auch bei den Polen einheimisches Bier angeboten. Aber Vorsicht: Es hat oft einige Prozente mehr als herkömmliches deutsches. International geht es auch zu, wo der Reisende an der Wagentür die Buchstaben CZ-JLV findet – bei den tschechischen Bahnen. „Täglich ein Menü zum Sonderpreis und Spezialitäten der böhmischen Küche“, heißt es im in den Eurocity-Zügen mit klingenden Namen wie „Gustav Mahler“, „Franz Schubert“, „Johannes Brahms“ oder „Carl Maria von Weber“. 

Ein wenig aus dem Rahmen fällt, auch gastronomisch, der Hochgeschwindigkeitszug Thalys, der von Köln bis Paris fährt. Unterschieden wird zwischen dem Service in der Ersten und der Zweiten Klasse. In der Ersten werden leichte Mahlzeiten, Snacks und Getränke am Platz serviert, sie sind bereits im Fahrpreis inbegriffen. Dabei wechselt die Menüauswahl alle drei bis vier Monate. Geboten werden zum Beispiel ein „Brasserie-Teller“ mit Räucherschinken, Kalbs- und Putenbraten, Kohlsalat, Kartoffeln und Cranberry-Soße. Mittags gibt es gemischten Salat, abends Käse sowie Mousse aus Passionsfrucht mit Pistazien. Für die Zweite Klasse steht ein Barwagen zur Verfügung.

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