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11

Feb

2009

Lindau muss für Inselbahnhof nicht zahlen

Gemäss Gesetz muss Lindau keinen Cent dafür zahlen, dass weiter Züge auf die Insel fahren. Eine entsprechende Auskunft hat die Aktionsgemeinschaft (AG) Inselbahnhof von der Bundesnetzagentur bekommen. AG-Sprecher Karl Schweizer fordert deshalb, der Stadtrat sollte weiter unbedingt auf einem Bahnhof auf der Insel bestehen.                                          Fotos: Ueli Schwizer

Dass die Bahn AG seit dem Sommer zwischen 9 und 25 Millionen Euro von der Stadt dafür will, dass der Bahndamm saniert wird und die Schienen und andere technische Anlagen so ausgebaut werden, dass auf Dauer Züge auf die Insel fahren, sorgt in Lindau für Unruhe. Wie berichtet, hatten die Oberbürgermeisterin und Stadträte der CSU in der Januarsitzung durchblicken lassen, dass sie angesichts der Forderung bereit wären, auf den Inselbahnhof zu verzichten.

Dabei gibt es laut Schweizer für die Forderung der Bahn keine Rechtsgrundlage. Vielmehr müsse die Bahn AG für eine Strecke des Bundesschienenwegenetzes für Instandhaltung und Sanierung selbst zahlen. Die Abteilung Eisenbahn der Bundesnetzagentur in Bonn informierte auf Anfrage der Aktionsgemeinschaft Inselbahnhof: "Eine rechtliche Grundlage für eine solche mögliche Forderung der Deutschen Bahn AG gegenüber der Stadt Lindau ist der Bundesnetzagentur nicht bekannt." Schweizer verweist zudem auf eine Vereinbarung zwischen Staat und Bahn AG, nach der die Bahn im Jahr 2,5 Milliarden Euro für Instandhaltung und Sanierung der Schienenstrecken bekommt.

Schweizer wiederholt deshalb, dass Seidl bei der Bahn AG darauf dringen muss, dass im Zuge des Ausbaus München-Lindau auch die Insel elektrifiziert wird. "Eine zukunftsfähige Anbindung des Stadtzentrums Insel an das Schienennetz, auch im Sinne einer hoffentlich kommenden Bodensee-S-Bahn, erfordert dies", schreibt Schweizer. Dabei reiche es nicht, dass nur ein paar Nahverkehrszüge auf die Insel fahren. Leider vermeide OB Seidl in dieser Frage eine klare Festlegung. "Es geht im Interesse der größten Gruppe der Lindauer Fahrgäste darum, den Erhalt aller Bahnverbindungen des Nah- und Regionalverkehrs aus und in die Richtungen Vorarlberg/Schweiz, Friedrichshafen, württembergisches und bayerisches Allgäu ins Stadtzentrum Insel zu erhalten. Dies sind derzeit rund 90 Prozent aller Lindauer Zugverbindungen."

Dieser Verkehr sei nur über einen funktionstüchtigen Bahnhof abzuwickeln, fordert Schweizer. "Dass für einen zukunftsfähigen Ausbau des Lindauer Eisenbahnverkehrs eine popelige zweigleisige Bahnhaltestelle mit überdachtem Fahrkartenautomat auf der Insel in Höhe des alten Postgebäudes nicht ausreicht, ist klar." Vor diesem Hintergrund kritisiert der Sprecher der AG Inselbahnhof den einstimmigen Stadtratsbeschluss aus dem Jahr 2004, der zwar die Pläne der Bahn AG für den Reutiner Bahnhof abgelehnt, zugleich aber eigene Vorschläge für einen Festlandbahnhof eingebracht habe.

Der AG-Sprecher warnt, Lindau sollte sich in dem Verfahren um den Inselbahnhof wegen der erträumten neuen Tagungshalle nicht unter Zeitdruck setzen lassen: Das 1000 Personen fassende Tagungsschiff "Sonnenkönigin" und das in Bau befindliche Hotel "Kaiserstrand" in Lochau hätten den Markt zugemacht, so dass eine neue Tagungshalle mit Hotel am Bahnhof keine Zukunft habe. Wer anderes glaube, so schreibt Schweizer, "hat die Zeichen der Zeit am östlichen Bodenseeufer nicht erkannt". Oder er hofft darauf, dass die Öffentlichkeit durch ihre Steuergelder auch eine derartige marktfremde Fehlinvestition schon bezahlen wird.

                                                                                                       Fotos: Ueli Schwizer

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