Auch in Kärnten: Keine Tickets mehr beim Schaffner

Ab 1. März 2009 können Bahnfahrer Tickets für zwei Hauptpendlerstrecken nur mehr bei Automaten kaufen. Schwarzfahrer zahlen Ticket plus 60 Euro.

Einfach in den Zug einsteigen und beim Schaffner ein Ticket kaufen - das war einmal. Auch in Kärnten steigen die ÖBB jetzt auf so genannte Selbstbedienungsstrecken um. Betroffen sind, so Christoph Posch, Sprecher der ÖBB in Kärnten, die beiden Hauptpendlerstrecken Friesach - Klagenfurt - Villach - Spittal und Villach - Arnoldstein. Stichtag ist der 1. März. Wer ab diesem Zeitpunkt im Zug ohne Ticket angetroffen wird, zahlt. Und zwar kräftig: "Den Ticketpreis plus 60 Euro Strafe", sagt Posch.

Andere Aufgaben

Die Tickets können in den jeweiligen Bahnhöfen beim Fahrkartenautomaten erworben werden. Die Zugbegleiter werden auf diesen beiden Strecken aber nicht komplett abgeschafft. "Sie verkaufen eben nur keine Tickets mehr, sondern widmen sich anderen Aufgaben wie beispielsweise der Sicherheit", so Posch. Und sie werden kontrollieren, ob die Fahrgäste eine Karte gelöst haben. Zusätzlich wird kärntenweit ein Kontrollteam eingesetzt. "Unter anderem in den Elektrotriebzügen, die wirklich für den schaffnerlosen Betrieb vorgesehen sind", sagt Posch

Wirtschaftlichkeit

Für die ÖBB ist die Umstrukturierung natürlich auch eine Frage der Wirtschaftlichkeit: Die Kosten sinken. Es sei derzeit aber nicht geplant, auch andere als die beiden Pendlerstrecken auf "Selbstbedienung" umzustellen. Denn: "In den übrigen Bahnhöfen gibt es noch keine Fahrkartenautomaten."

Wie sicher sind schaffnerlose Züge?
Seit Mitte Dezember fahren Regionalzüge in Kärnten ohne Schaffner. Über SOS-Notrufsäulen kann aber jederzeit Hilfe geholt werden, heißt es von Seiten der ÖBB.

Mitte Dezember gab es bei den ÖBB nicht nur einen Wechsel in der Taktung der Fahrpläne, sondern auch die Einführung so genannter Selbstbedienungsstrecken. Auf diesen fährt kein Schaffner mehr mit, daher kann man an Board kein Ticket kaufen. Die Hauptpendlerstrecken Friesach – Klagenfurt – Villach – Spittal und Villach - Arnoldstein werden seitdem schaffnerlos geführt. Stellt sich die Frage nach der Sicherheit in den Pendlerzügen.

Bein schwer verletzt. Wie wichtig Sicherheit und erste Hilfe im Zug sein können, erfuhr Erika Diani, Pensionistin aus Villach, am eigenen Leib. "Beim Einsteigen in den Regionalzug von Klagenfurt nach Villach bin ich plötzlich in das Loch zwischen Zug und Bahnsteig gefallen. Bis zum Knie war ich regelrecht eingeklemmt." Anwesende Fahrgäste halfen Diani aus ihrer misslichen Lage.

Schüler leisteten Hilfe. Da es sich doch um eine größere, stark blutende Wunde handelte, leisteten ein paar Schüler erste Hilfe. "Zuerst versuchten sie vergeblich, einen Zugbegleiter zu finden. Dann kamen sie mit Verbandsmaterial und versorgten meine Wunde und säuberten den Boden vom Blut", erzählt die immer noch geschockte Frau. "Die jungen Leute haben das wirklich hervorragend gemeistert. Sogar einen Rettungstransport haben sie für mich organisiert."

Im Notfall. Laut ÖBB-Sprecher Christoph Posch kann man im Notfall im Zug die angebrachten SOS-Griffe benutzen und so mit dem Lokführer in Verbindung treten. Dieser verfügt über ein Erste-Hilfe-Set und kann mit Hilfs- und Rettungskräften in Verbindung treten. Auch bei der Abfahrt der Regionalzüge aus dem Bahnhof, kommt den Lokführern Technik zugute. "Die neuen Züge sind mit Außenkameras versehen, durch die der Lokführer sieht, ob der Bahnsteig frei ist," erklärt Posch. Somit ist das Abfahrtssignal durch einen Schaffner nicht mehr nötig. "Auch im Innenbereich sind Kameras angebracht, die der Zugführer überwacht."

Tickets vom Automaten. Durch diese neue Regelung ist es nur noch erlaubt, mit einem gültigen Fahrausweis einzusteigen. Das Ticket muss vor Fahrtantritt im Bahnhof oder am Bahnsteig gekauft werden. "Natürlich gibt es unter Umständen Kulanzlösungen. Zum Beispiel wenn ein Fahrscheinautomat am Bahnsteig defekt ist. Dann werden wir bei einer Kontrolle von einer Strafe absehen", gibt sich Posch kompromissbereit. Bis 1. März gilt eine Art Übergangsfrist. Nach diesem Stichtag zahlt man als Schwarzfahrer den Ticketpreis plus 60 Euro Strafe.

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