SBB: Zugfahren wird teurer


Die Kosten für den öffentlichen Verkehr steigen in den nächsten Jahren massiv. Für den Bund und die SBB ist klar: Die Rechnung müssen die Bahnfahrer bezahlen.

Wann immer das Parlament in jüngster Zeit über Gelder für neue Bahnprojekte entschied, gab es heftigen Streit. Fast endlos sind die Wünsche der SBB sowie der verschiedenen Kantone und Regionen, die einen möglichst schnellen Anschluss ans Bahnnetz wollen. Die Investitionen der letzten Jahre haben dazu geführt, dass die Nachfrage der Bahnfahrer seit Dezember 2004 um rund 30 Prozent gestiegen ist.

60 Milliarden bis 2030 investieren
Dieses Wachstum dürfte in den nächsten Jahren anhalten. Die SBB rechnen damit, dass die Auslastung in den Agglomerationen zu Pendlerzeiten in den nächsten 20 Jahren noch einmal um 100 Prozent zunimmt. Bahnchef Andreas Meyer zeigte sich am Dienstag an der Tagung des Fachvereins Infra in Luzern zwar erfreut über dieses Wachstum. Vor den Vertretern der Infrastruktur-Bauunternehmer machte er aber auch klar, dass die hohe Nachfrage in den nächsten Jahren enorme Investitionen notwendig macht. Bis ins Jahr 2030 braucht es bis zu 60 Milliarden Franken, um das Schienennetz der SBB zu erweitern und neues Rollmaterial zu kaufen. 

Die Bahnkunden dürfte der Ausbau teuer zu stehen kommen: Laut dem Direktor der Eidgenössischen Finanzverwaltung, Peter Siegenthaler, ist es unwahrscheinlich, dass der Bund die Kosten für die Infrastruktur alleine mit Steuereinnahmen tragen kann. Seiner Meinung nach müssen die SBB-Kunden künftig für den Ausbau des Netzes mitbezahlen. Um wie viel die Preise steigen würden, führte er nicht aus. Klar ist aber, dass der Aufschlag massiver ausfallen dürfte als bei bisherigen Preiserhöhungen, mit welchen vor allem die Mehrkosten des Betriebs abgegolten wurden. Bahn-Chef Meyer zeigte sich am Dienstag einverstanden mit Siegenthaler – auch wenn teurere Billette für ihn immer nur die zweitbeste Lösung seien. Der nächste reguläre Aufschlag auf den Billetten steht bereits im Dezember dieses Jahres an.

Ausbauwünsche beschränken
Eine schlechte Nachricht hatte Siegenthaler überdies für die Kantone: Künftig sei es nicht möglich, dass der Bund alle regionalen Ausbauwünsche mittragen könne. Er forderte vom Parlament, dass es bei Bahnbeschlüssen eine rigorose Priorisierung der Projekte vornehme. Gehe es dennoch auf Spezialwünsche ein, müssten die Kantone einen weit höheren Teil der Kosten übernehmen als bisher. Ob das Parlament auf diesen Appell eingeht, muss sich zeigen. Bisher zeigten sich selbst stramme Sparpolitiker grosszügig, wenn es um den Ausbau der Bahnlinien im eigenen Kanton ging. 

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