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Berlin und Brandenburg

 

 

 

 

Nahverkehr: Kunden schätzen Private mehr als Deutsche Bahn


VBB stellt neue Zufriedenheitsstudie vor - Schwachpunkt: Pünktlichkeit der Züge


Von Thomas Fülling / Berliner Morgenpost vom 22.03.2008

 

 

 

Berlin - Die Fahrgäste in Berlin und Brandenburg geben der privaten Konkurrenz im Schienennahverkehr bessere Noten als der bundeseigenen Deutschen Bahn. Schwachpunkte sind vor allem die mangelhafte Pünktlichkeit der Züge und die Information bei Verspätungen. Dies ist das Ergebnis einer Kundenbefragung im Auftrag des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg (VBB) im vergangenen Jahr. Befragt wurden in zwei unterschiedlichen Zeiträumen 2861 Besitzer von Zeitkarten - also Bahn-Stammkunden - nach ihrer Zufriedenheit mit ihrer Fahrt in einem Nahverkehrszug.

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Insgesamt bewerteten die Befragten ihre Zufriedenheit mit der Zugfahrt auf einer Schulnotenskala mit der Durchschnittsnote 1,88. Dieser Wert ist damit geringfügig besser als im Jahr zuvor. Für 2006 war eine Note von 1,92 ermittelt worden. Im bundesweiten Vergleich liegen nach VBB-Angaben die Nahverkehrsunternehmen aus Berlin und Brandenburg im vorderen Feld der Kundenzufriedenheit. "Die Aussagen der Nutzer zeigen, dass sie den Zugverkehr in Berlin und Brandenburg sehr schätzen", sagte VBB-Geschäftsführer Hans-Werner Franz.

 

Im Vergleich der einzelnen Anbieter schneiden die beiden Verkehrsunternehmen der französischen Veolia-Gruppe Niederbarnimer Eisenbahn (NEB) und Lausitzbahn am besten ab. Für die NEB, deren Züge auf der Heidekrautbahn zwischen Berlin-Karow und Groß Schönebeck (Linie NE 26) und der Oderlandbahn zwischen Berlin-Lichtenberg und Kostrzyn in Polen (NE 27) fahren, gibt es die Noten 1,51 beziehungsweise 1,54. Der von der Veolia-Tochter Connex Sachsen GmbH angebotene Zugverkehr der Lausitzbahn zwischen Cottbus und Zittau in Sachsen bekommt in der Befragung 2007 ebenfalls die Bestnote 1,51.

Ebenfalls sehr zufrieden sind die Kunden mit der Ostdeutschen Eisenbahn-Gesellschaft (ODEG), einem gemeinsamen Tochterunternehmen der zur britischen Arriva-Gruppe gehörenden Prignitzer Eisenbahngesellschaft und der BeNEX GmbH (betreibt u .a Hamburger Hochbahn). Die ODEG, die in Berlin und Brandenburg ihre Züge auf fünf Nahverkehrslinien einsetzt (wie zwischen Berlin-Lichtenberg und Frankfurt/Oder und zwischen Fürstenwalde und Bad Saarow), bekommt die Durchschnittsnote 1,55.

 

Die Bahn-Tochter DB Regio erhält - ja nach Strecke - Noten von 1,88 bis 2,04, im Vergleich zu den privaten Konkurrenten also schlechtere Bewertungen. Dabei müsse aber berücksichtigt werden, dass die DB Regio das komplexeste Liniennetz mit dem höchsten Koordinierungsaufwand betreibt, heißt es in VBB-Studie.

Laut Verkehrsverbund könne die generell hohe Zufriedenheit der Fahrgäste im Nahverkehr nicht darüber hinwegtäuschen, dass "sie in einzelnen Bereichen erheblich niedriger liegt". So werden bei allen Unternehmen etwa die Pünktlichkeit der Züge (Durchschnittsnote 2,28) sowie die Fahrgastinformation in den Zügen im Störungsfall (Note 2,29) vergleichsweise schlecht bewertet.

Dagegen erhielten die Ausstattung der Züge (1,69) sowie die Freundlichkeit und Kompetenz des Personals (1,74) besonders gute Zensuren.

 

Zwiespältige Meinungen haben die Fahrgäste, wenn es um die Zufriedenheit mit Informationen in Bahnhöfen geht. Während reguläre Ansagen und Aushänge mit der Note 2,1 bewertet wurden, gab es für Informationen im Störungsfall - also bei Zugverspätungen oder ähnlichem - nur noch ein "Befriedigend" (Durchschnittsnote 2,64).

 

Der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg, dem neben den beiden Ländern insgesamt 41 private und kommunale Verkehrsunternehmen angehören, führt regelmäßig Qualitätsuntersuchungen durch. Erst im Dezember 2007 hatte der VBB eine viel beachtete Studie zum Service auf Bahnhöfen veröffentlicht. Die VBB-Tester machten bei drei Viertel aller untersuchten Stationen zum Teil dringenden Handlungsbedarf aus.


Aus der Berliner Morgenpost vom 22. März 2008